Mittwoch 8. September 2010 von webmaster
Ein Interview mit dem “Insider”
Manche “Macher” geben Ihre Meinung öffentlich Preis, andere nicht. Wir habe uns mit einem “Insider” der deutschsprachigen Erotikbranche unterhalten, der aber unerkannt bleiben möchte. Erotikpress akzeptiert das selbstverständlich.
EP : Herr / Frau “Insider” warum möchtest Du unerkannt bleiben ?
Insider : Das ist ganz einfach. Ich bin kein unbekannter in der Branche und so einige könnten, wie soll ich sagen, überrascht sein, welche Meinung ich über das ein oder andere der deutschsprachigen Erotikbranche habe. Das könnte mir u.U. geschäftlich schaden. Deshalb bleibe ich lieber unerkannt und sage trotzdem meine Meinung.
EP : Das ist völlig legitim und ich repektiere das natürlich. Obwohl ich gerne einen
Audiopodcast mit Dir gemacht hätte
Aber sei es drum, ich kann auch so meine Fragen stellen.
Der Erotikbranche geht es offentsichtlich nicht mehr so gut. Einfache und schwierige Frage zugleich:
Woran liegt das und wo geht es hin ?
Insider : Nun, die Ursachen sind vielschichtig. Zum einen wächst schon seit einiger Zeit weniger zahlendes Klientel in unserer Branche nach. Das junge Publikum weiss längst, wie man an kostenlose Inhalte via Youporn und Co. kommt. Das Tube Angebot ist derart gross, dass viele überhaupt keine Notwendigkeit sehen für Content Geld auszugeben. Schlimmer noch! Allein die Zeit die viele User auf Tube Sites verbringen, fehlt Ihnen schlicht, um sich über kostenpflichtige Angebote zu informieren,geschweige denn dort zu kaufen. Tubes sind das Krebsgeschwür der Porno Branche. Schlimmer noch! Mittlerweile laden sogar Labels Ihren Content in Tubes hoch. Wohl in der Hoffnung ein letztes Quentchenzahlenden Resttraffics abzugrasen. Was für ein Unsinn! Jeder der mal 5 Minuten ernsthaft über eine derartige Vorgehensweise nachdenkt MUSS zu dem Schluss kommen, das das nun ganz sicher der falsche Weg ist. Der DVD Markt ist fast völlig zusammengebrochen, vielen Labels geht es schlecht und das schon seit längerem. Das Problem ist teilweise sicher hausgemacht aber zu einem grossen Teil auch in der Tube Problematik begründet. Man könnte fast sagen das nur noch Konsumenten die “zu blöd” (sorry) sind ein kostenloses Angebot zu finden, wohl oder übel auf Bezahlinhalte zurückgreifen. Ich sprach vorkurzem mit einem einflussreichen, deutschen Videothekar der das Ende der Pornobranche binnen der nächsten 5 Jahre prognostiziert. Und das ist auch für Videotheken eine Katastrophe. In der Vergangenheit haben Videothek zwischen 60 und 80% Ihres Umsatzes mit Pornos gemacht. Die Zeiten sind vorbei, die Konsequenzen dramatisch. Dramatisch in jeder Hinsicht, denn zum ersten Mal haben sowohl die Off.- als auch die Online Branche das gleiche Problem. Ein kausaler Zusammhang in der Wertschöpfungskette, die viele, sehr viele in die Knie zwingen wird.Ich könnte hier sicher noch viel mehr dazu sagen, aber ich fürchte das sprengt den Rahmen.
EP : Stimmt, auch wenn Deine Ausführungen sehr interessant sind. Gut, die Offline UND die Onliner
haben also ein, wie du sagst, tiefgreifendes Problem. Wo geht es denn hin, wie geht es weiter ?
Insider : Tja…ich denke das Internet geht generell erstmal in zwei grobe Richtungen : TV und Mobile. Immer mehr, wirklich grosse Anbieter, denken darüber nach Ihre Inhalte via Internet ins Fernsehen zu bringen. Der Wandel von einem “Lean forward” in eine “Lean Back” Konsumenten hat längst begonnen. Man muss sich schon mal Fragen warum Apple, Google, Sony und einige andere Plattformen und Angebote bauen mit dem bestreben selbige auf internetfähigen LCD/Plasma Fernsehern (die hat ja mittlerweilse auch fast jeder) auszuspielen. In prognostiziere binnen 5-10 Jahren den kompletten Konsumwandel. Das wird auch die Pornobranche beinflussen. Ich denke das Internetprovider in naher Zukunft gute Chancen haben ebenso zu Contentanbietern zu “mutieren”. Setzt die Industrie auf das Internet;und alles deutet darauf hin; sind Provider in der Situation das sie Inhalte, beispielsweise durch Bandbreitenbegrenzungen, “steuern” können. Also quasi : “Lieber Kunde, natürlich kannst Du auch Youporn und Co. in voller Bandbreite geniessen, kostet aber xy Euro pro Monat. Ansonsten drehen wir die Bandbreite, für die 4free User, auf ein “unerträgliches” Maß runter. Kein Pornokonsum wartet auf ein 10 Minuten Video ne halbe Stunde bis das geladen ist. Diese Vorgehensweise versetzt Internetprovider in die Lage endlich wieder am heiss umkämpften und derzeit wenig lukrativen DSL Markt zu profitieren.
By the Way: Eine effektive Möglichkeit um den Tubes diese Welt das leben mehr als schwer zu machen. Nicht zensieren,
nur völlig unattraktiv machen (sprich Bandbreitenbegrenzung). Das ist die Achillesferse der Tubes.
EP : Und wie schaut es mit Mobil aus ?
Insider : Apple hat mit dem iPhone eine wirkliche Revolution ausgelöst. Das iPad war der nächste Schritt. Mal eben,
auf dem Sofa(!), EMail lesen, den Facebook Account checken, auf YouTube (oder auch YouPorn) ein Filmchen schauen,
per Skype oder ICQ einen kleinen Plausch. Genau das wird passieren, besser passiert schon. Ob nun mit dem iPad
oder mit anderen “Touch and Go” Geräten die auf den Markt streben. Alle wollen dabei sein und ALLE setzen auf
das Internet. Das ist Balsam auf die Seelen der Provider. Egal ob Mobile oder klassisches Internet. Die Provider
sind die, die am Hebel sitzen. Egal ob Porn oder konventionelles Entertainment. Man könnte fast sagen : “Leute,
kauft Telekom Aktien” (lacht).
EP : OK, setzen wir mal vorraus, das der “Markt” sich so entwickelt. Wie schaut es denn dann mit den “klassisches Online Erotik Angeboten aus ?”
Insider : Nun, die wird es, so wie wir sie kennen schlicht nicht mehr geben. Die grossen, verbleibenden Labels die
den Verfall der Pornoindustrie überlebt haben, können ggf. einen “Kanal” bei einem Provider mieten um Ihren Content
an den Mann zu bringen. Content bleibt also nach wie vor unabdingbar. Nischen werden wahrscheinlich nach wie vor
am PC konsumiert. Es wird diejenigen geben die sich diesem “Contentmonopol” entziehen werden und die jenigen die
vor allem die Bequemlichkeit vorziehen und Erotik via TV und/oder Mobil (gegen Aufgeld) konsumieren werden.
EP : Erstmal vielen Dank für Deine Ausführungen. Ich freue ich schon auf unser nächstes Gespräch zu dem Du hoffentlich zur Verfügung stehst ?!
Insider : Sicher, wie schon gesagt, habe ich da noch einige Gedanken zu verkünden. Die Erotikbranche ist ein spannendes Pflaster. Eine Rettung aus der Misere wäre nur mit einem gemeinsamen Miteinander der Off.- UND der
Online möglich. Erfahrungsgemäss ist soetwas aber leider unmöglich. Schade drum, die Branche killt sich selbst!
EP : Ein eindrucksvolles Schlusswort. Vielen Dank für das Interview !