Eben habe ich einen, man mag es kaum glauben, recht interessanten, wenn auch typisch “Boulevardlastigen” Artikel bei Bild.de gelesen. Wer sich für das Thema interessiert, sollte erstmal den Bild Artikel lesen und dann hierher zurückkommen und weiterlesen. Hier gehts zum Bild.de Artikel: „Die Porno-Branche ist moderne Prostitution“
Danke für die Rückkehr!
Was soll man nun von den Aussagen der Interview Partner halten? Meines Erachtens nach steckt viel Wahrheit in den Aussagen der Befragten. Die Kritik von Peter Brückner, Mia Magmas Ehemann, dass die Produktionsfirmen, durch fehlende Pressearbeit und unzureichende Vermarktung schuld an der Misere sind, stimmt zwar, lassen dabei aber einen sehr wichtigen Punkt außer Acht! In diesem Zusammenhang wird kritisiert, dass deutsche Pornodarsteller keinen Chance hätten auch in Babelsberg zu arbeiten, es dagegen aber Amerikanische Pornostars auch den Sprung nach Hollywood schaffen würden. Das stimmt unterm Strich auch, allerdings muss man dann auch Fragen, woran das liegt?!
An dieser Stelle muss nämlich eines ganz deutlich gemacht werden! Die Deutschen denken, im Gegensatz zu den Amerikanern, in Schubladen. Hierzulande haben Darsteller den “Pornostempel” auf der Stirn. “Einmal Porno, immer Porno!”, völlig egal was ein Darsteller sonst noch drauf haben mag. Ich kenne den letzten echten deutschen Pornostar (und das war meines Erachtens sicher nicht Vivien Schmitt, Sorry Vivien
), persönlich sehr gut und habe den schwierigen Weg, die Enttäuschungen und Frustationen ins seriöse Fach zu wechseln, teilweise hautnah mitbekommen. Ihr Name war Gina Wild. Ich schreibe bewusst WAR, denn diese Figur, diese Rolle gibt es schon seit 13 Jahren nicht mehr. Sehr wohl erfreut sich Schauspielerin Michaela Schaffrath wachsender Beliebtheit auf der Theaterbühne. Das war ein steinharter, langer und schwerer Weg, den sie da gegangen ist! Dafür hat sie höchste Anerkennung und Respekt verdient, wie ich finde.
Letztlich macht das aber auch deutlich, dass es selbst bei guter Pressearbeit durch Produktionsfirmen für Pornodarsteller außerhalb der Erotik Branche schwer wird überhaupt Fuß zu fassen. Das ist ein Gesellschaftliches Problem, dass vom Boulevard bedient wird. Daran ändert auch gute Pressearbeit nichts. Michaela Schaffrath ist nach meiner Kenntnis die einzige die es aus der Pornobranche erfolgreich ins seriöse Schauspieler Business geschafft hat!
Neben der anderen Sichtweise des US-amerikanischen Publikums darf man auch nicht außer Acht lassen, dass der amerikanische Markt um ein vielfaches größer ist als der deutsche. Die Chance, dass sich eine Produktionen gut verkaufen lässt, ist dort um ein vielfaches größer. Des weiteren haben die amerikansichen Labels es verstanden, das Internet für sich zu nutzen.
Die im Bild Artikel getroffene Aussage, dass es in der deutschen Porno Branche kein “Star Building” gibt, ist absolut richtig! Es gibt schon sehr lange (wie gesagt meiner Meinung nach schon 13 Jahre) keinen echten deutschen Pornostar mehr. Vivien Schmitt war der letzte, halbherzige Versuch des “Star-Buildings” in Deutschland Aber woran liegt das? Auch hier ist die Antwort, meiner Meinung nach, sowohl einfach wie auch vielschichtig.
Die deutsche Pornoindustrie hat die neuen Medien, sprich das Internet, schlicht und ergreifend verpennt. Erst wurde das Medium belächelt, dann verteufelt und dann wurde nur noch rumgeheult und verzweifelt versucht doch noch auf dem boomenden Internet Markt aufzuspringen. Nur sehr wenige aus dem Old-Commerce haben es verstanden, sich mit der neuen Onliner Generation zusammen zu tun. Meist wurde versucht mit alten Mitteln im Internet Fuß zu fassen. Nein, liebe Old-Commerce Erotikbranche, ein Cover Designer ist nicht zwangsläufig auch ein guter Webdesigner! Billiger sicher!
Ein weiteres “Problem” ist bzw. war der rasante Preisverfall von Pornofilmen. Zahlte man früher noch gut 400 DM für eine VHS Kassette gibt es heutzutage, wenn denn überhaupt noch für eine DVD Geld ausgegeben wird, das ganze für 5€ im Handel.
Ergo wurde also auch bei weitem nicht mehr das Geld verdient wie früher. Aber anstatt sich hinzusetzen, seine Hausaufgaben zu machen und sich pfiffige, intelligente und kreative neue Wege zu schaffen, wurde lieber zunächst erst einmal das so genannte “Back-Programm” vermarktet (Das Back Programm sind neu zusammengeschnitten Filme aus bereits bestehenden Filmen).
Keiner hatte den echten Willen, den Mut, die Kreativität, und das Know How einen echten, neuen Pornostar in Deutschland zu etablieren. Durch die wegbrechenden Umsätze war auch niemand bereit viel Geld für so etwas in die Hand zu nehmen! Und anders als früher, ist es heute nötig viel Geld für soetwas in die Hand zu nehmen und noch mehr Zeit einzuplanen.
Die Branche hatte allerdings noch ein weiteres Problem! Die boomende Amateur Szene. Was früher aufwändig und teuer produziert wurde, konnte nun jeder privat Darsteller, “für kleines Geld” in seinem eigenen Wohnzimmer drehen und verkaufen. Und das Publikum kaufte! Kauft bis heute! Warum ausgerechnet die Amateur Filmchen vom Publikum gekauft werden, ist ein anderes Thema. Nur soviel, Stichworte: Authentizität, vermeintlich echte Orgasmen, der Blick durch Schlüsselloch. Echt, ehrlich, realistisch.
(In diesem Zusammenhang mal die Frage, die mir schon lange unter den Nägeln brennt. Wer verdammt ist auf die bescheuerte Idee gekommen, dass ein Pornofilm mit Duddel Musik unterlegt werden muss?)
Ich habe mich vor einigen Jahren über dieses Thema einmal mit einem namenhaften deutschen Pornoproduzenten unterhalten. Der gute Mann war derartig verbohrt, was ich seinen Aussagen in diesem Gespräch entnehmen konnte. “Ein Pornofilm hat einen Spannungsbogen und der muss auch eingehalten werden. Oralverkehr, Geschlechtsverkehr gegebenenfalls Analverkehr, Cumshoot Szene, fertig.”, waren seine Aussage. Dass man mit so einer Einstellung nichts werden kann, zumindest nicht in einem Zukunftsmarkt wie dem Internet, dürfte jedem klar sein.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass all diese Faktoren ursächlich für die Situation sind, die wir jetzt haben. Die klassische deutsche Pornoindustrie hat sich kreativlos selbst kanibalisiert. Vielleicht braucht die deutsche Pornoindustrie aber auch einfach keine Stars mehr. Vielleicht ist “Lieschen Müller” aus der Nachbarschaft viel interessanter…. Oder das Publikum ist der Beliebigkeit des vorhanden Materials mittlerweile überdrüssig und verlangt nach neuem?! Man weiß es nicht so genau